Bohmter Schüler mit Bewerbertraining vor der Kamera

Ohne Vorbereitung geht es nicht

Bohmte. „Die, die am meisten vorher zitterten, haben die beste Videosequenz geliefert“, meinte Marc Unland von der Barmer GEK, der zusammen mit Madeleine Erbe von der Volksbank Bramgau-Wittlage in der Oberschule Bohmte mit den Schülern der 10. Klassen ein intensives Bewerbertraining absolvierte.

Bewerbertraining in der Oberschule Bohmte: Für das Foto nimmt Marcel noch einmal die Rolle des Bewerbers ein. Ihm gegenüber: Marc Unland, an der Kamera Madeleine Erbe – im Hintergrund die Mitschüler der Klasse 10H2. Foto: Karin Kemper

Unland mimte den Personalchef des Ausbildungsbetriebs, der den Bewerbern auf den Zahn fühlte. Eine Kamera zeichnete das Gespräch auf. In Richtung der zukünftigen Teilnehmer von Bewerbungsgesprächen meinte er im Vorfeld: „Es gibt nur eine beschränkte Zahl von Fragen, die immer wieder gestellt werden. Das lässt sich trainieren.“ Die Aufforderung, von sich zu erzählen, gehört ebenso dazu wie die Frage, warum sich der Bewerber für die Ausbildungsstelle eignet und wo nach der eigenen Meinung Stärken und Schwächen liegen. Im Anschluss wurden die Videos dann analysiert und Fehler besprochen.

Die Experten wissen: Die Kamera trägt wesentlich dazu bei, dass das Verhalten der Jugendlichen authentisch ist, also ein echtes Training für die bevorstehenden Bewerbungssituationen ist. Schweißnasse Hände bei der Begrüßung sind somit nicht ungewöhnlich. Wie groß die Aufregung tatsächlich ist, ist manchmal gleich zu erahnen. „Manche sagen nur ihren Vornamen“, schmunzelt Unland, der das Training bereits seit zwölf Jahren durchführt. Einer der Kandidaten meint vor der Tür: „Das ist ungefähr so wie vor einer Klassenarbeit.“ Das Team weiß: „Oft sind die, die am coolsten tun am nervösesten.“

Pro Klasse stand ein kompletter Schultag auf dem Stundenplan. Das Seminar umfasst gleichermaßen Theorie und Praxis – vom schriftlichen Test, der umgehend ausgewertet wurde, bis zum dreistündigen intensiven Kameratraining. In Sachen Test verdiente sich die Klasse 10R1 ein dickes Lob: „Der ist top ausgefallen. Es gab keine einzige Fünf, obwohl die Fragen schwierig waren.“ Besonders fielen die beachtlichen Mathematikkenntnisse auf. Dazu gehörte der Hinweis: „Der Dreisatz ist garantiert in jedem Test drin.“ Und Schulleiter Clemens Brunsen kam ebenfalls zu einer Stippvisite. Alles in allem: kein Mangel an Stress.

Durchaus hilfreich für zukünftige Auszubildende der Hinweis: „Jeder Chef weiß, dass ihr nervös seid, und will euch helfen.“ Ohne Vorbereitung geht gar nichts. Wer Fehlzeiten auf dem Zeugnis hat, sollte eine plausible Erklärung liefern können. Genauso gilt das für schwächere Noten. Und wissen sollte jeder Schüler, dass die zukünftigen Arbeitgeber auf die unterschätzten Kopfnoten achten. Beim Sozialverhalten ist das „C“ Minimum. Brunsen: „Das ist vielen Schülern überhaupt nicht bewusst.“ Aber schließlich seien Noten nicht die einzige Entscheidungsgrundlage. Vielmehr versuche jeder Unternehmer, sich ein Bild vom zukünftigen Auszubildenden zu machen.

Einen Teilnehmer des Trainings konnte das ziemlich kalt lassen, er hat nämlich schon einen Ausbildungsplatz sicher. Bedingt durch den späten Termin der Sommerferien hat das eine oder andere Einstellungsgespräch bereits stattgefunden. So oder so lautet das Fazit der Klasse: „Das Training ist gut. Man weiß dann, wie das abläuft und ist nicht ganz so aufgeregt.“

Quelle

Text und Foto:

Karin Kemper / Wittlager Kreisblatt