Bramscher Banker hackt Holz zur Entspannung

Bramscher Wirtschaft im Porträt

Bramsche. Wenn Frank Rauschenbach von der intensiven Zeit mit seiner Trompete spricht, ist er begeistert. Auch an das sportliche Radfahren – Rauschenbach fuhr Marathonstrecken von bis zu 300 Kilometern – erinnert er sich gern. Dann sind da noch die Passion für stylische, ältere Motorräder, der eigene Wald – und die Bank. Rauschenbach ist geschäftsführender Vorstand der Volksbank Bramgau-Wittlage.

Selbstverständlich trägt der 54-jährige Anzug und Krawatte. Sein Büro liegt ganz oben, Chefetage eben. Er trägt unter anderem die Verantwortung für die 120 Millionen Euro umfassenden Eigenanlagen der Bank; er sagt, wo‘s lang geht. Und doch: der Bramscher entspricht nicht dem klassischen Prototyp des etwas unterkühlten Bankers.

Als das Gespräch auf die Trompete kommt, zückt er sein Smartphone und lässt die Aufzeichnung eines Trompetenkonzerts von Joseph Haydn laufen. „Gleich kommt die Stelle“, sagt Rauschenbach, und man sieht, wie er seinen Lieblingstrompeter Ludwig Güttler im Geist begleitet. Einen Satz aus dem Konzert hat der heutige Bankvorstand vor vielen Jahren in seiner Abiturprüfung gespielt. Dafür erhielt er eine Bestnote. „Ich träumte von einem Leben als Berufsmusiker“, erzählt er. Es kam alles ganz anders, doch die Liebe zur Musik ist geblieben. Wenn er Zeit hat, spielt Rauschenbach bei den Lappenstuhler Bläsern mit. Im Anschluss an seinen Wehrdienst schlug er allerdings weder die musikalische noch die polizeiliche – „als Kind wollte ich Polizist werden, wie mein Vater“ – Laufbahn ein.

Beginn mit Jura-Studium

Frank Rauschenbach begann Anfang der achtziger Jahre zunächst Jura zu studieren. Angesichts der damaligen „Juristenschwämme“ brach er das Studium ab und stieg ab August 1983 bei der Sparkasse Bersenbrück in die Lehre zum Bankkaufmann ein. Der junge Mann machte schnell Karriere. Schon Anfang 1988 hatte er die Qualifikation zum Sparkassenbetriebswirt erworben und war Filialleiter in Engter. Seit dieser Zeit wohnt Rauschenbach mit seiner Frau und den zwei Kindern in dem Bramscher Ortsteil. Geboren ist er in Trittingdorf bei Melle, aufgewachsen in Bersenbrück. Doch im beschaulichen Engter hielt es den ehrgeizigen jungen Banker nicht lange. Nach knapp zwei Jahren wechselte er zum Westfälisch-Lippischen Sparkassen und Giroverband. In Bonn legte er ein Examen für die Zusatzqualifikation als Revisor ab. „Der Verband ist die Wirtschaftsprüfergesellschaft für die Sparkassen“, erklärt Frank Rauschenbach: „Als Revisor habe ich die Jahresabschlüsse von Sparkassen in Nordrhein-Westfalen geprüft.“ Vier Jahre lang sammelte er auch in großen Instituten wertvolle Erfahrungen.

Kreditgeschäft neu geordnet

Als Revisor war Rauschenbach sehr viel unterwegs. Auf Dauer gefiel ihm das nicht. So nutzte er 1994 die Chance und trat eine Stelle bei der Stadtsparkasse Rheine an. Dort suchte man einen erfahrenen Banker für die Kreditabteilung. „Da gab es eine Schieflage“, erinnert er sich. Es gelang ihm, die Probleme zu lösen. Er wurde befördert und bekleidete zuletzt das Amt des stellvertretenden Vorstands. „Ich wollte in die Vorstandsetage, aber ganz an die Spitze“, sagt er.

Von der Sparkasse zu den Volks- und Raiffeisenbanken

Das gelang, als Rauschenbach 1998 von der Sparkassenwelt ins Reich der Volks- und Raiffeisenbanken wechselte. Der Bramscher wurde Vorstand der Raiffeisenbank Nortrup, deren Entwicklung er dynamisch vorantrieb. Nur ein Jahr nach seinem Amtsantritt fusionierte das Institut mit den Nachbarn aus Grafeld. Beide Geldhäuser betrieben neben dem Bankgeschäft das Warengeschäft inklusive Kraftfutterproduktion. 2001 folgte die Fusion mit der Raiffeisen Warengenossenschaft Ankum. „Damit intensivierten wir das Geschäftsfeld und verzeichneten seitdem ein starkes Wachstum“, so Rauschenbach. Der Sprung an die Spitze der Volksbank Bramgau folgte im Jahr 2004. Frank Rauschenbach konnte hier seine Erfahrungen als Revisor und erfolgreicher Sanierer einbringen, er sollte den Bereich des gewerblichen Kreditgeschäfts neu ordnen. „Wir gehören heute zu den gesündesten Volksbanken in ganz Deutschland“, sagt er nicht ohne Stolz. Unter seiner Leitung fusionierte die Bank 2009 mit der Volksbank Wittlage.

Siebter Sinn für faule Kredite

In seinem beruflichen Werdegang wurde Frank Rauschenbach immer wieder gerufen, wenn es irgendwo Probleme gab. Offenbar hat er sich in der Branche den Ruf eines guten Feuerwehrmannes erworben, der in Stresssituationen die Nerven behält und mit sicherer Hand führt. Wie sieht er selbst seine Rolle? „In meinem Beruf muss man so leben, dass man immer unabhängig entscheiden kann“, sagt der Banker: „Mit der Erfahrung im Hintergrund habe ich so eine Art siebten Sinn für faule Kredite entwickelt.“ Im Arbeitsalltag des 54-jährigen spielen Kredite an Firmenkunden eine wesentliche Rolle. Er müsse immer in der Lage sein, Kreditanträge schnell zu prüfen, erklärt er: „Früher waren Bankleute eine Art Beamte, heute verkaufen wir Bankdienstleistungen.“

Strategien für die Niedrigzinsphase

Frank Rauschenbach beschäftigt sich außerdem mit den Kapitalanlagen der Bank und den Angelegenheiten der 15 Filialen; er überwacht die Märkte und entwirft Strategien für die aktuelle Niedrigzinsphase. „Ich habe den Ehrgeiz, den Laden sauber durch die Kreditkrise zu führen“, sagt er. Als geschäftsführender Vorstand verantwortet er das operative Geschäft der Bank. Für die Bereiche Controlling, Buchhaltung und Rechnungswesen zeichnet noch bis Jahresende sein Vorstandskollege Heiko Ziegemeier verantwortlich. . Ab dem 1. Januar tritt Holger Benitz Ziegemeiers Nachfolge an. Im Vorstand wird nach dem Vier-Augen-Prinzip gearbeitet.

Mit der Motorsäge in den Wald

Frank Rauschenbach ist einer dieser Menschen, die nicht gern tatenlos auf dem Sofa sitzen. Zur Entspannung setzt er sich lieber auf seinen kleinen Traktor, packt die Motorsäge ein und fährt in den Wald, um Brennholz zu machen. Gespalten wird mit der Hand. Er versucht, nachmittags gegen fünf nach Hause zu gehen. „Das habe ich mit den Jahren gelernt“, sagt er: „Ich will gesund bleiben.“ Der Feierabend beginnt damit, dass der Banker sich umzieht, und mindestens eine halbe Stunde mit seinem Hund Elvis unterwegs ist. Den Schäferhund hat er selbst erzogen, sogar in der Mittagspause nimmt er sich die Zeit, für einen kurzen Gang mit ihm.

Begeisterung für den Wintersport

Nach zwei Fahrradunfällen fehlt Rauschenbach der früher intensivere sportliche Ausgleich. Marathonstrecken gehen nicht mehr. Doch wenn die Freunde vom TuS Engter an Sommerabenden eine Runde drehen, ist er gern dabei. „Im Windschatten kann ich noch gut mithalten“, sagt Rauschenbach. Im Wasser ist der Bramscher Finanzexperte so fit, dass er vor zwei Jahren seinen Schein als DLRG-Rettungsschwimmer wieder aufgefrischt hat. „Ich war schon mit 16 als Rettungsschwimmer an der Ostsee im Einsatz“, erzählt er. Damals war auch das Taschengeld nicht unwichtig, dass man dafür bekam. Frank Rauschenbach brauchte es für eine weitere Leidenschaft, die er sich bis heute erhalten hat, das Motorradfahren. In der Freizeit ist er mit seinem Sohn und seinem Bruder unterwegs; manchmal geht es bis in die Alpen. Mit Sohn, Tochter und Ehefrau teilt er die Begeisterung für das Skilaufen. Der Zusammenhalt in der Familie ist groß. „Unsere Kinder sind beide schon über 20 Jahre alt und stehen voll im Leben, trotzdem begleiten sie uns noch immer gern in den Winterurlaub“, freut sich der 54-jährige. Außerdem hat Rauschenbach einen Angelschein, einen Jagdschein, er ist Mitglied im Rotary-Club und in den Vorständen der Bürgerstiftung und des Vereins Naturschutzgebiet Feldungel. Weshalb pflegt einer, dessen Leben ohnehin mit Terminen dicht gefüllt ist, so viele Hobbys und engagiert sich überdies im sozialen Bereich? Frank Rauschenbach erlebt die vielen Aktivitäten als wichtigen Ausgleich zum oft stressigen Alltag in der Bank. „Mich befriedigt es, in neue Lebensbereiche so tief einzutauchen und so viel darüber zu lernen, dass ich sie verstehe“, sagt er.

 

 

Zur Sache

Die Volksbank Bramgau-Wittlage ist im Raum Pye, Wallenhorst, Bramsche, Rieste und Wittlage tätig. Die Bilanzsumme des Geldinstituts belief sich 2014 auf 554,5 Millionen Euro. Die Bank vergab zuletzt Kredite im Volumen von rund 400 Millionen Euro an privat- und mittelständische Firmenkunden. Die Kunden haben der Volksbank rund 430 Millionen Euro als Einlagen anvertraut. „Seit der Finanzkrise sind die Einlagen stark gewachsen“, sagt Vorstandschef Frank Rauschenbach: „Die Kunden schätzen die gute Absicherung unseres Hauses durch den Einlagensicherungsfonds der Volks- und Raiffeisenbanken.“ Die Bank ist Mitglied im Genossenschaftsverband der Volks- und Raiffeisenbanken, rechtlich aber selbständig. Sie beschäftigt 131 Mitarbeiter, 69 von ihnen in Vollzeit. Der Altersquerschnitt reicht von 21 bis über 60. Zum Mitarbeiterstamm gehören auch sieben Auszubildende. „Wir sind so groß, dass man noch den Überblick behalten kann“, sagt Rauschenbach: „Die Mitarbeiter kommen alle aus der Region, die treffen ihre Kunden im Sportverein oder abends am Tresen.“ Von den 37000 Kunden des Bankhauses kommen 10000 aus Bramsche. Die Genossenschaft der Bank umfasst 13000 Mitglieder, darunter 3400 Bramscher. Insgesamt werden 15 Filialen unterhalten. Für soziale, kulturelle und sportliche Zwecke hat die Volksbank Bramgau-Wittlage 2014 insgesamt 63000 Euro aufgewendet. Die Liste der Sponsorenempfänger ist lang. Die Heimatvereine Achmer und Sögeln sind darunter, verschiedene Schützenvereine, Reitervereine und Sportvereine, aber auch der Kindergarten der Arbeiterwohlfahrt in Lappenstuhl, mehrere Kirchgemeinden und das Greselius Gymnasium. „Im Unterschied zu mancher Großbank zahlen wir unsere Gewerbesteuer an die Kommunen in der Region“, betont Rauschenbach: „Im Geschäftsjahr 2014 waren das rund 900000 Euro; davon gingen über 320000 Euro an die Stadt Bramsche.“

Quelle

Text und Foto

Christoph Lützenkirchen / Bramscher Nachrichten