Digitalisierung in Betrieben „als Chefsache“ verstehen

30. Wirtschaftsforum in Bramsche

Bramsche. Der Hauptgeschäftsführer des Mittelstandverbundes ZGV, Dr. Ludwig Veltmann, hat an die Unternehmer der Region appelliert, die Digitalisierung in ihren Betrieben „als Chefsache“ zu verstehen.

Dr. Ludwig Veltmann
Dr. Ludwig Veltmann referiert zum Thema Digitalisierung. Foto: Stadt Bramsche

Es gelte, „Mitarbeiter zu motivieren, zu schulen, zu trainieren. Und zwar gezielter als bisher“, um die Herausforderungen der kommenden Jahre meistern zu können, sagte Veltmann während des 30. Bramscher Wirtschaftsforums im Foyer der örtlichen Gesamtschule. Bei der Digitalisierung der Arbeitswelt „reden wir nicht über Science Fiction“, so der Mittelstandskenner aus Berlin. Es gehe um schnelle und baldige Veränderungen.

„Mittelstand 2025“ war das Referat von Veltmann überschrieben. „Wir müssen uns alle besser vernetzen“, führte der Verbundsprecher mit Blick auf die Unternehmerschaft aus. „Wir brauchen eine neue Denke und einen neuen Geist. Und wir brauchen Mut, auch mal etwas auszuprobieren“ – sehr wohl wissend, dass man bei manchem Versuch auch scheitern könne. „Wir brauchen einen Kulturwandel“, so Veltmann.

Vertretung für 230000 Unternehmen aus 45 Branchen bundesweit

Dr. Ludwig Veltmann referiert zum Thema Digitalisierung.
Digitale Zukunft gestalten. Foto: Stadt Bramsche

Der Mittelstandsverbund ZGV stehe für insgesamt 230000 Unternehmen aus 45 Branchen bundesweit, unterstrich der Hauptgeschäftsführer vor den rund 200 interessierten Zuhörern, die der Einladung der Volksbank Bramgau-Wittlage und der Stadt Bramsche zum Wirtschaftsforum gefolgt waren. Die großen und kleinen Betriebe des ZGV aus Handel, Handwerk und Dienstleistungen hätten zuletzt zusammen für knapp 500 Milliarden Euro Jahresumsatz gesorgt. Die Märkte würden durch die Digitalisierung jedoch zunehmend „auf den Kopf gestellt“, erläuterte Veltmann. Vor allem der Handel gerate dabei in Bedrängnis. Auch die Rolle des Kunden („enorme Macht“) habe sich gravierend verändert. Denn dessen Bindung an die Händler, so der studierte Wirtschafts- und Sozialwissenschaftler, „ist nicht mehr die, die wir aus der Historie kennen“.

Der Kunde würde Warenbestellungen im Internet – zum Beispiel über Anbieter wie Amazon – als sehr bequem empfinden und diese Möglichkeit des Einkaufens rund um die Uhr immer stärker nutzen, schilderte Veltmann. Eine ganze Reihe von Unternehmen in Deutschland würde dagegen „wenig über den Endkunden wissen“. Das gelte es zu verändern, forderte der Verbundsprecher. „Wir müssen alte Zöpfe abschneiden und eine Augenhöhe mit der Realität schaffen“, zum Beispiel auch bei den Öffnungszeiten der Läden, so Veltmann.

Prognose: Digitalisierung „geht immer weiter“

Rund 200 Gäste folgten interessiert dem Vortrag.
Rund 200 Gäste folgten interessiert dem Vortrag. Foto: Stadt Bramsche

Die Digitalisierung jedenfalls „geht immer weiter“, prognostizierte er. Mittelständische Unternehmen müssten sich darauf einstellen, um am Markt mit ihren Produkten dauerhaft erfolgreich zu sein. Das bedeute beschleunigte Prozesse, bringe zwangsläufig veränderte Geschäftsmodelle mit sich, sorge für eine Verkürzung von Wertschöpfungsketten und lasse durch Online-Plattformen zwar die Kundenreichweiten steigen, könne aber zu auch verkleinerten Margen führen, verdeutlichte Veltmann. Wichtig sei es aber, den Wettbewerb um den Endkunden überhaupt anzunehmen.

Gastgeber und Referent. Foto: Stadt Bramsche

Quelle

Text: Marcus Alwes, Bramscher Nachrichten

Fotos: Stadt Bramsche