Finanzierung von neuen Windenergie- und Repowering-Projekten

Ein Beitrag von Vorstandsmitglied Frank Rauschenbach von der Volksbank Bramgau-Wittlage eG und Andreas Ottens, Abteilungsdirektor Erneuerbare Energien, DZ BANK AG.

Die grundlegende Reform des Erneuerbaren Energien-Gesetzes (EEG) hat zum Ziel, mithilfe von verbindlichen Ausbaukorridoren den Ausbau der Erneuerbaren Energien für alle Beteiligten planbarer zu machen. Zudem soll der weitere Kostenanstieg spürbar gebremst und die Erneuerbaren Energien stärker an den Markt herangeführt werden. Trotz deutlicher Eingriffe in die Vergütung durch das EEG 2014 besteht bei Windenergie an Land bundesweit unverändert das größte Potenzial. Dies gilt erst recht für den Norden Deutschlands, wo der Ausbau der Windenergie vor rund 20 Jahren seinen Anfang nahm. Neben dem Bau von neuen Windenergieanlagen (WEA) rückt aufgrund der zunehmenden Leistungsfähigkeit und Effizienz moderner Anlagen der Austausch alter Windenergieanlagen durch neue, leistungsfähigere Anlagen (Repowering) verstärkt in den Fokus. Die sich hierbei bietenden Geschäftschancen sollte die Genossenschaftliche FinanzGruppe im engen Schulterschluss mit den Volksbanken und Raiffeisenbanken, dem Genossenschaftsverband Weser-Ems und der DZ BANK nutzen.

Während der Ökostromanteil an der Versorgung heute bei rund 27 Prozent liegt, soll er bis 2025 auf 40 bis 45 Prozent steigen. Bis zum Jahre 2035 sollen es 55 bis 60 Prozent sein und für das Jahr 2050 sind 80 Prozent angestrebt. Das Geschäftsgebiet des Genossenschaftsverbandes Weser-Ems gehört dabei bundesweit zu den bedeutendsten windstarken Erzeugerregionen im Bereich der Erneuerbaren Energien. Nicht zuletzt verfügt die Region Weser-Ems über große restriktionsfreie Flächen für den Ausbau der Windenergie.

Der jährliche Zubau für Windenergie an Land wird durch das EEG 2014 auf 2.500 MW begrenzt. Gleichwohl spielt die Windenergie an Land eine wesentliche Rolle bei Erreichung der vorgegebenen Ausbauziele durch Ökostrom (siehe Abbildung 1). Hinzu kommt der Austausch alter Anlagen durch moderne, leistungsstärkere Windräder, die nicht unter die Höchstgrenze von 2.500 MW fallen. Entsprechendes Potenzial für Repowering ist vorhanden, da rund die Hälfte aller Windenergieanlagen in Deutschland älter als zehn Jahre ist. Dies gilt auch für zahlreiche Windparks in der Region Weser-Ems, die in die Jahre gekommen sind.

Durch Repowering wird in der Regel die Zahl der Windenergieanlagen reduziert. Turbinen der ersten Generation werden durch moderne, effizientere Anlagen ersetzt, die die Windenergie besser nutzten. Dadurch sinken in der Regel auch die Erzeugungskosten für Windstrom deutlich – ein wichtiger Aspekt aufgrund der Absenkung der Vergütung sowie des Fortfalls des Repoweringbonus durch das EEG 2014.

Zusammenspiel VR BANK – Genossenschaftsverband Weser-Ems - DZ BANK

Die Finanzierung von WEA bietet den Volksbanken und Raiffeisenbanken vielfältige Geschäftsansätze, wie der steigende Marktanteil bei der Finanzierung Erneuerbarer Energien verdeutlicht (siehe Abbildung 2). Voraussetzung hierfür ist die grundsätzliche Identifikation eines Hauses mit dem Geschäftsfeld Erneuerbare Energien.

Der Einstieg in diesen Bereich erfordert zunächst eine Marktpotenzialanalyse, die Schaffung bzw. Anpassung bankinterner Rahmenbedingungen (unter anderem Kreditvergaberichtlinien, Arbeitsanweisungen etc., die Festlegung des maximalen Kreditvolumens für WEA-Finanzierungen am gesamten Kreditportfolio) und nicht zuletzt die Qualifizierung der Mitarbeiter in diesem interessanten Geschäftsfeld. Abgerundet wird der Marktantritt durch zielgerichtete Marketingkampagnen. Unterstützung bieten hierbei der Genossenschaftsverband Weser-Ems und die DZ BANK durch Know How-Transfer im Rahmen von speziellen Fachseminaren und sonstigen Veranstaltungen wie beispielsweise Kundenveranstaltungen sowie Finanzierungs- und Strukturierungs-Expertise aus zahlreichen Windkraftfinanzierungen.

Die Genossenschaftsbanken sind aufgrund ihrer regionalen Verankerung im Regelfall frühzeitig über neue Wind-Projekte in der Region informiert und können sich entsprechend positionieren. Bei einer Konkretisierung eines Projektes sollte die DZ BANK zeitnah in die Strukturierung der Transaktion eingebunden werden („Co-Steuerung“).

Die Volksbank Bramgau-Wittlage eG erhielt beispielsweise aufgrund ihrer Hausbankfunktion frühzeitig Informationen über die Planung eines Windparks in Ihrer Region. Nach Kontaktaufnahme mit der DZ BANK wurde zeitnah ein Kundentermin vor Ort gemacht. Schon bei diesem ersten Treffen ging es um die konkrete Vorhabenplanung und die Wirtschaftlichkeitsbetrachtung des Projektes. Nach eingehender Analyse des Projektes durch die DZ BANK wurde ein indikatives Angebot erstellt und in einem Anschlussgespräch finalisiert. Letztlich überzeugten die Volksbank Bramgau-Wittlage eG und die DZ BANK mit ihren Vorstellungen und ihrem gemeinsamen und kompetenten Auftreten. Das Projekt wurde in der Folge erfolgreich umgesetzt. Der Projektierer hat zwischenzeitlich bereits Anschlussgeschäfte angekündigt. Weitere Flächeneigentümer bei anderen Projekten sind ebenfalls auf die Aktivitäten beider Häuser aufmerksam geworden. Verhandlungen für einen weiteren großen Windpark stehen kurz vor dem Abschluss.

Die Bandbreite der Finanzierungsanfragen beim Neubau bzw. Repowering von Windkraftanlagen ist generell breit gefächert. Sie reicht von einer Anlage über die „klassische“ Windparkgröße von drei bis fünf Anlagen, bis zu zehn Anlagen und mehr. Ausgehend von den Kosten für ein Windrad zwischen vier und fünf Millionen Euro kommen schnell größere Kreditengagements zusammen, die – unabhängig von der Anzahl der Anlagen – im Rahmen einer Projektfinanzierung strukturiert werden.

Projektfinanzierungen im Windbereich

Bei der Projektfinanzierung einer oder mehrerer WEA handelt es sich um ein in sich abgeschlossenes, wirtschaftlich und rechtlich isoliertes Investitionsvorhaben. Darlehensnehmer ist in der Regel eine eigens für die Realisierung des Vorhabens gegründete Projektgesellschaft. Der Kapitaldienst wird ausschließlich auf den Cash Flow des Investitionsobjektes abgestellt. Die Besicherung stützt sich auf das Investitionsobjekt; zusätzliche Sicherheiten, zum Beispiel aus privaten Vermögenswerten, werden grundsätzlich nicht eingeholt. Vor diesem Hintergrund sind bei der Projektfinanzierung von WEA besondere Anforderungen zu stellen. Dies gilt vor allem für die Finanzierungsstruktur und das Besicherungskonzept.

Wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches WEA-Projekt sind das entsprechende Know how und eine möglichst langjährige Erfahrung des Projektierers mit vergleichbaren Projekten. Für eine indikative Einschätzung des Projektes durch die Bank hat der Projektierer zunächst grundlegende Unterlagen einzureichen. Neben einer Wirtschaftlichkeitsberechnung sind das unter anderem ein erstes Windgutachten, das im Rahmen der Detailprüfung durch ein zweites Gutachten verifiziert werden muss, sowie Angaben zum Standort und der Technik. Beim Bau der WEA sollte auf eine ausgereifte Technik gesetzt werden. Die Finanzierung von Prototypen oder WEA von Anlagenherstellern mit geringer Erfahrung ist nicht zu empfehlen.

Die Windverhältnisse sind grundsätzlich durch zwei unabhängige Gutachter zu prognostizieren. Sofern im Windgutachten keine exakte Unsicherheitsanalyse vorgenommen wurde, sollte vom prognostizierten Windertrag ein angemessener Sicherheitsabschlag vorgenommen werden.

Betrachtet man die Finanzierungsseite, so sollte in der Region Weser-Ems während der Darlehenslaufzeit in jedem Jahr ein Kapitaldienstdeckungsgrad (DSCR – debt service coverage ratio) von 110 Prozent erreicht werden. In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage, wieviel Fremdkapital ein Projekt „verträgt“. Eine Eigenkapitalquote von mindestens 10 Prozent - in Abhängigkeit vom DSCR – sollte im Bereich der Projektfinanzierung zwingend gegeben sein.

Besicherung von WEA-Finanzierungen

Die Besicherung der WEA ist abgestellt auf das zu finanzierende Objekt. Aufgrund der erheblichen Größenordnungen bei der Finanzierung einer oder mehrerer WEA kommt einer hinreichenden Besicherung des Kreditengagements mit nachhaltig durchsetzbaren Sicherungsrechten hohe Bedeutung zu. Die Besicherung ist so zu gestalten, dass im Falle einer Insolvenz der Projekt- bzw. Betreibergesellschaft oder eines Eigentümers der Grundstücke, auf der die WEA steht, eine unverzügliche Fortsetzung der Stromproduktion möglich ist. Grundsatz ist hier, dass der Strom immer fließen muss. Dazu muss die finanzierende Bank bzw. ein von ihr bestimmter Dritter im Verwertungsfall in die Betreiberposition eintreten können, sodass der jederzeitige Weiterbetrieb der WEA sichergestellt ist.

Die genossenschaftliche FinanzGruppe Volksbanken Raiffeisenbanken verfügt seit Jahren über Erfahrung mit der Finanzierung von WEA. Im Zusammenspiel zwischen regional verankerter Genossenschaftsbank, dem Genossenschaftsverband Weser-Ems und der DZ BANK ist die Gruppe in dem nach wie vor wachsenden Geschäftsfeld sehr gut aufgestellt: von der Finanzierung der Einzelanlage bis hin zu großen Windparks.